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Sowohl die Grabinschrift des Fürsten von Sardhana im
Mausoleum der Patritola-Kapelle auf dem katholischen Friedhof zu Agra als auch
die Stiftertafel an der von ihm wiederaufgebauten Akbarkirche in derselben Stadt
nennen ihn mit dem Namen Walter Reinhard. In Anbetracht der besonderen Bedeutung
dieser Inschriften für die Geschichte und das Andenken an die eigene Person,
muss davon ausgegangen werden, dass
1. diese Angaben vom Fürsten persönlich verfügt wurden und
2. dieser seine Identität mit diesem Namen verband.
Andererseits wurde er als Söldnerführer
in Indien stets Sombre, Samroo, Samru, Sumru oder ähnlich genannt. In einer
französischen Truppenliste der Garnison von Bengalen ist er unter dem Datum des
1. April 1747 als Sergeant mit Namen Valteres Sommer aufgeführt. Historische
Persönlichkeiten, wie der französische Offizier Gentil, die mit ihm in Indien
zusammentrafen, nannten ihn ebenfalls Sommer bzw. Sommers. Ganz offensichtlich
ist dies der Kriegsname Sombre, Samroo, Samru, Sumru o. ä.
Bezüglich seiner Nationalität
stimmen alle Quellen darin überein, dass er aus dem deutschen Sprachraum
stammte.
Ein Walterus Somer aus Simmern
ist als Passagier und holländischer Soldat des 'Ostindienfahrers' Hoogersmilde
verzeichnet, der am 9. August 1743 von Middelburg auf der Insel Walcheren nach
Indien auslief. Gemäß denselben Schiffsdokumenten desertierte dieser Mann am
20. Januar 1745 an der Küste von Burma, nachdem das Schiff dorthin verschlagen
worden war. Es setzte dann seine Fahrt fort und kam am 25. Februar in Colombo
an.
Für die Tatsache, dass dieser
Mann mit dem Walter Reinhard identisch ist, der später Fürst von Sardhana
wurde, sprechen die Hinweise, dass diese Person genau in den dokumentierten
geschichtlichen Ablauf des Walter Sommer in Bengalen passt, der in den
Dokumenten des französischen Marinearchivs in Paris nachgewiesen ist, und dass
der Fürst von Sardhana dem Grafen Louis Laurent de Féderbe, genannt Modave,
der ihn in Indien besuchte und sein Vertrauen gewann und diesem selbst von
seiner Schiffsfahrt berichtete.
Die Aufzeichnungen Modaves über
Walter Reinhard-Sombre enthalten auch sehr plausible Angaben dazu, durch welche
Umstände er auf das holländische Schiff kam:
Nach seiner Desertion von den
französischen Truppen nach der verlorenen Schlacht bei Dettingen im Jahre 1743.
Das passt nicht nur zeitlich genau, sondern seine Zugehörigkeit zu einer gut
ausgebildeten europäischen Kampftruppe trägt auch zur Erklärung seiner
besonderen militärischen Fähigkeiten, seiner Überlebenskunst und seines
Selbstvertrauens bei, mit dem er bei den kriegerischen Auseinandersetzungen in
Indien an wechselnden Fronten so erfolgreich war. Darüber hinaus liefert der
Umstand einer Desertion den besten Grund für eine Namensänderung.
Dass die Identität von Walter
Reinhard-Sombre und Walter Sommer heute festgestellt und die Geschichte dieses
Mannes bis zur Schlacht von Dettingen zurückverfolgt werden kann, ist u. a. ein
Verdienst von Prof. Dr. Kurt Reinhard, der diese Informationen durch Recherchen
in niederländischen und französischen Archiven aufgespürt hat.
Angaben über frühere Lebensabschnitte Walter
Reinhard-Sombre's und insbesondere seine Geburt finden sich sehr häufig in der
Literatur und werden auch von einer Vielzahl von Leuten überliefert, die sich
Hoffnungen auf eine imaginäre reiche Erbschaft machen. Sie haben jedoch alle
gemeinsam, dass sie zu gossen Teil spekulativ sind, sei es aufgrund
dichterischer Freiheit, verfestigter Vorurteile gegenüber einem Kriegsfeind
oder durch die Verfolgung subjektiver Interessen. So berichtet z. B. Major
Polier, ein Schweizer, der als Agent der Ostindischen Gesellschaft Informationen
über Walter Reinhard-Sombre sammelte, in seinen Geheimdienstberichten, er sei
in Straßburg geboren und habe Zimmermann oder Metzger gelernt. Belege für
diese Behauptung führt er nicht an, bemerkt aber - wohl in Anspielung auf die "Schwarze
Tat", die Walter Reinhard-Sombre zum bestgehassten Feind der Engländer
machte, er sei geneigt, das Letztere zu glauben.
Immerhin findet sich eine
eindeutige Angabe eines Geburtsortes auf dem amtlichen Dokument der Truppenliste
der französischen Garnison von Bengalen, in der Walter Sommer alias Walter
Reinhard-Sombre unter dem Datum des 1. April 1747 als Sergeant aufgeführt ist:
Trier. Eine Geburtsurkunde ist dort für den fraglichen Zeitraum (1710-1725)
jedoch ebenso wenig zu finden wie etwa in Simmern oder Traben-Trarbach.
Letzterer Ort wird sogar von dem Fürsten von Sardhana dem Grafen Modave gegenüber
selbst genannt. Allerdings gewann Grafen Modave aufgrund der geheimnisumwobenen
- schalkhaften Art, in der Walter Reinhard dies tat, eher den Eindruck, dass
Walter Reinhard nicht die Wahrheit sagte.
Insgesamt sind über 20
verschiedene Angaben über den Geburtsort Walter Reinhard-Sombre's bekannt
geworden, bei allen jedoch gibt es nur einen Nachweis einer Identität, unter
dem Namen Reinhard.
Walter Reinhard-Sombre, der Fürst
von Sardhana, hat zu dieser Verwirrung viel beigetragen. Offenbar wollte er aus
seiner Herkunft ein Geheimnis machen und hat deshalb in Bezug auf seinen
Geburtsort bei verschiedenen Gelegenheiten unterschiedliche Angaben gemacht, die
bis auf einen Geburtsort, allesamt falsch waren. Er - Walter Reinhard wird wohl
seine Gründe gehabt haben, warum er ein Geheimnis daraus machte.
Die Tatsache, dass seine Angaben
auf das „Bistum Trier“, (Trier mit der Region Rhein- Mosel-Hunsrück)
verweisen, und dies z. T. auf kleine, weithin unbekannte Orte, belegt nur eins,
dass er sich in dieser Gegend auskannte, möglicherweise weil er dort eine Zeit
lang gelebt hat. Jedenfalls könnte der in dem holländischen Schiffsdokument
angegebene Herkunftsort 'Alte Simmeren' als eine bewusste Irreführung
verstanden werden. Nach Recherchen in Simmern und Umgebung gab es dort nie ein
„Alte Simmeren“.
Der
einzige urkundlich belegbare Geburtsort in Deutschland, für Walter Reinhard,
befindet sich im Kirchenbucheintrag zu Eisenberg (Pfalz). Eisenberg gehörte in
dieser Zeit zum Bistum Trier. Alle anderen Geburtsorte sind höchst zweifelhaft
sowie urkundlich nicht, nachvollziehbar zu beweisen.
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